Moderne Reisende

Ach ja … heute vor genau 10 Jahren habe ich das bisher grösste Abenteuer meines Leben in Angriff genommen und sass in einem Flieger in Richtigung Rio de Janeiro. Der 12.06.2001 war der erste Tag meiner einjährigen Weltreise. Lang lang ist’s her…

10 Jahre nach diesem ersten Tag meines grossen Abenteuers kann ich mit Sicherheit sagen, dass ich älter geworden bin. Und da ich mit Sicherheit sagen kann, dass ich älter geworden bin, kann ich auch mit Sicherheit sagen, dass sich die Zeiten geändert haben. Das kann nämlich nur jemand behaupten, der sich schon ein paar Jährchen um die Ohren geschlagen hat.

Und wie sie sich geändert haben die Zeiten! Und zwar die Zeiten des Reisens.

Damals im Juni 2001 kam mir schon alles supermodern vor und ich träumte von den 1960ern-1970ern, als die Hippy-Abenteurer sich auf die lange Reise von Europa nach Asien gemacht haben. Alles über Land versteht sich.

Damals, als es weder Mobiltelefone noch Internet gab. Und obwohl meine Weltreise ein riesengrosses Abenteuer für mich war, kamen mir die “alten Zeiten” noch viel aufregender vor. Im Jahre 2001 hab es zumindest schon Internetbanking und viele Leute hatten Zugang zu Emails. Ich richtete damals eine Emailadresse für meine Eltern ein, damit sie ab und an mal von mir hören. Mein Handy hatte ich nicht dabei. Viele der Länder, in denen ich war, hatten kein Handynetz und man konnte keine SIM-Karten kaufen.

Und Facebook, Twitter und Blogs waren auch kaum verbreitet. So schrieb ich meine Erlebnisse per Email auf, die ich dann mehr oder weniger regelmässig an meine stetig wachsende Leserschaft schickte. Am Ende meiner Reise waren Emailadressen von Leuten, die ich nie persönlich kennengelernt habe, auf meinem Verteiler. Meine Freunde und Bekannten hatten meine Geschichten an deren Bekannten weitergeleitet die sich wiederum bei mir meldeten, um direkt auf meine Emailliste zu gelangen 🙂

Aber ich komme vom Thema ab…

Für viele junge Europäer ist eine längere Zeit in Neuseeland ein Traum und viele verwirklichen diesen. Ich habe etliche dieser Reisenden kennengelernt. Meist über Freunde/Bekannte in Deutschland und Grossbritannien, die den Kontakt zwischen mir und Reisenden herstellen.

Und dann kommen sie die jungen Reisenden!

Ausgestattet mit:

  • Mobiltelefon, weil man/frau muss ständig billig erreichbar sein
  • SIM Karten für aller Herrgottsländer, weil siehe Mobiltelefon
  • Smartphone oder BlackBerry, weil man/frau will ja ständig wissen, wer so twittered, myspaced und facebooked
  • Kindle, weil wer kauft heutzutage schon noch Bücher?
  • iPad, weil siehe Smartphone
  • iPod oder MP3-Player, weil wer will schon mit anderen Reisenden oder Einheimischen – Gott verbitt! – reden?
  • Laptop – klein und kompakt, weil siehe alle Punkte oben plus man/frau will ja gleich auch alle Fotos hochladen können

Nennt mich altmodisch, aber den ganzen Kram mit mir rumzuschleppen, wäre ein Graus für mich! Und was hat das ganze noch mit Abenteuer zu tun wenn man ständig erreichbar ist und ständig der ganzen Welt erzählt, was man gerade so macht??!!

Versteht mich nicht falsch meine lieben Leser! Ich gehöre nicht zu der Generation, die ständig über die Fortschritte der modernen Technik wettert. Im Gegenteil – in unserem Haushalt sind alle der oben genannten Dinge zu finden und ich möchte sie nicht missen. Aber beim Reisen haben sie nichts zu suchen, vorallem nicht bei Langzeitreisen.

Ich erinnere mich noch gut an ein paar junge Besucher von vor 2 Jahren. Junge Nachbarn von Bekannten in Deutschland, die hier irgendwann mal auftauchten. Die Guten waren halb so alt wie ich!! Nach ein paar Bierchen fragten sie mich dann nach meinen Reiseerfahrungen aus. Mit meinen Geschichten und den grossen Augen meiner jungen Zuhörer kam ich mir vor wie eine Märchenoma im Schaukelstuhl, mit einem Dutt und der Brille ganz vorne auf der Nase…

Ich wundere mich ob den heutigen Langzeitreisenden 1990er – 2000er so romantisch und abenteuerlich vorkommen, wie mir die 1960er – 1970er…

In diesem Sinne: Herzlichen Glückwunsch zum 10-Jährigen!

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